Passgenauer Ersatz am Kniegelenk

MEDIZIN   Das Evangelische Krankenhaus Weyertal bietet neue Knie-Endoprothesen an VON BEATRIX LAMPE

palmert2003Starke Schmerzen und eine erhebliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit sind die Folgen von Arthrose im Knie. Wei! immer mehr und zunehmend jüngere Patienten vom Gelenkverschleiß betroffen sind, steigt die Zahl der Kniegelenksoperationen; deutschlandweit werden jährlich etwa 120 000 Knie-Endoprothesen implantiert. Vorgefertigte Knie-Implantate gibt es in acht Größen, ganz genau passend für die individuell sehr unterschiedlichen Knochen sind die Prothesen kaum jemals. Deshalb müssen bei der Operation die Knochen der Prothese angepasst werden, sprich: Knochenmasse wird entfernt.

Mit einem neuen Verfahren, das künstliche Kniegelenke genau dem Knie des jeweiligen Patienten anpasst, will die Orthopädie im Evangelischen Krankenhaus Weyertal jetzt für bessere Operationsergebnisse sorgen. Karl-Ernst Sander, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie, und sein niedergelassener Kollege Michael Heyl haben die neue Operationsmethode zum Einsatz maßgefertigter Kniegelenk-Endoprothesen in der renommierten Mayo-Klinik in Boston kennengelernt und erprobt. Seit Herbst haben sie schon mehrere Patienten in Köln mit solchen maßgefertigten Kniegelenken versorgt.

Die individuell gefertigten lmplantate gehören jetzt zum Leistungsspektrum des evangelischen Krankenhauses. Obwohl sie fast dreimal so viel wie eine herkömmliche Prothese kosten, werden sie im Rahmen der DRG-Fallgruppen-Versorgung von den gesetzlichen Kassen Ubernommen.

Die Versorgung mit dem Kniegelenk nach Maß beginnt mit Röntgenbildern und einer Computertomographie, nach der die Beinachse und ein dreidimensionales Bild des Kniegelenks errechnet werden. In den USA wird dann das Kniegelenk genau für diese Anatomie hergestellt - samt exakt dazu passendem Operations-Instrumentarium. Das OP-Material, das aussieht wie ein kompliziertes dreidimensionales Puzzle, kann passgenau an das freigelegte Kniegelenk angelegt werden und zeigt den Orthopäden bei der navigierten Operation genau, wo geschnitten und wie viel vom Knorpel abgehobelt werden muss, damit das Ersatz-Gelenk optimal sitzt.

Der minimal invasive Eingriff ist schon vorher komplett durchgeplant und braucht weniger Zeit, was auch für die Patienten weniger belastend ist. Die Maßanfertigung kann sogar durch die Arthrose bedingte leichte X- und O-Beinstellungen korrigieren.

Sander erwartet, dass die in den USA von zwei deutschen Ärzten entwickelte Neuerung vielen Patienten eine schnellere Heilung und bessere Beweglichkeit verschafft. Die Maßanfertigung, die je nach Verschleiß des Knies als Voll- oder Teilprothese ausgeführt wird, sitzt so genau dass der so genannte Kontaktstress reduziert wird. Sowohl Knochen als auch Prothese werden weniger belastet und sind entsprechend weniger verschleißgefährdet. Für den Januar haben Sander und Heyl ein halbes Dutzend weitere Operationen eingeplant - die lmplantate sind in den USA bereits in Arbeit.

Karl-Ernst Sander, Chefarzt & Michael Heyl, Belegarzt

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